Innere Führung

Eines meiner Lieblingszitate des vergangenen Jahres stammt von Sadhguru: Der Ausweg ist der Weg hinein.

In verschiedenen Phasen meines Lebens habe ich mich auf verschiedene Formen der Führung verlassen. Jeder Meister, von dem ich gelernt habe, all die vielen und unterschiedlichen Formen der Medizin, wie etwa Meditation, Isolation, Beziehungen, Malen, Tanzen, Musik und Pflanzen, haben mich alle näher zu meinem Selbst gebracht.

Jede Form der äußerlichen Führung ist lediglich ein Appell, eine Inspiration, eine Absicht, die innere Verbundenheit zu unserem Selbst herzustellen.

In jedem von uns liegt ein inneres Wissen. Eine Stimme aus der Tiefe unseres Seins, die einfach weiß. Meine eigene Führung, meine eigene innere Stimme, mein eigenes inneres Wissen zu entdecken, hat mich im Laufe der Jahre immer wieder überrascht und immer wieder entscheide ich mich dafür, darauf zu hören.

Ich erinnere mich deutlich an einen Moment der Krise, in dem ich mich so hilflos und verloren fühlte, dass die Stimme in mir trotz meiner größten Anstrengungen stumm blieb.

Ich war so abgelenkt von dem, was um mich herum geschah, so gestresst von dem Druck, den ich verspürte, dass ich, anstatt mir die Auszeit zu nehmen, die ich gebraucht hätte, mich weiter antrieb und nach der schnellsten, logischsten Lösung suchte. Ich zahlte einen hohen Preis für diese schnelle Lösung und lernte eine wertvolle, schmerzhafte Lektion.

Wenn die Stimme in mir stumm bleibt, dann deshalb, weil sie mehr Zeit braucht. Sie braucht Raum, Leichtigkeit, Entspannung, Vertrauen und Hingabe. Sie muss wissen, dass sie wichtig ist.
Sie ist nicht so laut und deutlich wie die Stimme der Vernunft, sie liefert keine taktischen Argumente und ihre Wahrnehmung basiert nicht auf Fakten. Wenn sie unter Druck steht, zieht sie sich einfach tiefer in mein Inneres zurück und wartet darauf, dass ich ihr dort begegne.

Sie ist diejenige, die weiß. Immer. Ihre Führung kann mich überraschen, wenn mein Leben dieser inneren Stimme folgt und mich von einem Abenteuer zum nächsten führt.

Manchmal jedoch fühle ich mich verloren und beginne an meiner inneren Führung zu zweifeln, daran, dass ich mich auf meinem Weg befinde.
Die Stimme der Vernunft bietet eine Perspektive, eine Herangehensweise, eine rationale Lösung, die absolut Sinn macht. Eine Stimme, die mich dazu drängt, Abenteuer und Kontrollverlust zu vermeiden, eine Stimme, die mit einer solchen Dringlichkeit spricht, dass ich das Gefühl habe, schnell handeln, schnell entscheiden zu müssen, dass ich keine Zeit habe, in mich “hineinzufühlen”.

Und dann erinnere ich mich an meinen Moment der Krise und den Verlust, den Schmerz und die Trennung, die ich fühlte.

Ich atme durch. Ich lasse die Sorgen, die Angst, die Anspannung zu. Ich lasse Zweifel zu. Und ich atme weiter und halte inne. Ich nehme mir Zeit und entspanne mich.

Wenn ich meiner inneren Stimme nicht begegnen kann, wenn meine innere Führung für mich nicht zugänglich ist, versuche ich, mehr Zeit, mehr Raum zu schaffen. Ich vermeide es, eine Entscheidung zu treffen, bis ich weiß, dass ich eine Entscheidung treffen kann, die im Einklang mit meinem Wesen, mit meinem ganzen Ich ist.

Das Schöne an innerer Führung ist die Freiheit, die sie ausstrahlt und die Wahrhaftigkeit, mit der sie spricht. Sie ist unabhängig von allen äußeren Faktoren, sie hat keine Karriere- oder Geldsorgen, sie denkt nicht an das Bedürfnis dazuzugehören, oder an die komplexen Ansprüche der Gesellschaft. Sie weiß einfach, was das Beste ist auf dem Weg zu einem glücklichen, erfüllten Leben.

Ich glaube, wir alle kennen dieses Gefühl, zu wissen, dass es das Beste wäre, uns von diesem Job, diesem Partner, dieser Wohnung, dieser Stadt usw. zu trennen. DENNOCH gibt es diese endlose Liste an logischen, überzeugenden Gegenargumenten.

Bis wir eines Tages so die Nase voll haben, dass uns der Schritt, dieser inneren Stimme zu vertrauen, leicht fällt und wir endlich das tun, von dem wir die ganze Zeit wussten, dass es längst fällig ist und die Dinge sich einfach fügen. Und plötzlich verspüren wir den Frieden, den es bringt, im Einklang mit der inneren Führung zu handeln.

In diesen Zeiten, die so unvorhersehbar sind, ist es für mich viel einfacher geworden, auf die innere Stimme zu hören, da viele der logischen Argumente nicht mehr gelten: Was wäre, wenn…? Wer weiß!
Die Zeit ist jetzt! Dafür bin ich dankbar.

In Liebe

Charu Eliza Hermsdorf
Mitbegründerin von DIMA Mallorca, A Centre for Conscious Living
Mediatorin und Konfliktberaterin bei MediateBerlin
www.mediateberlin.com

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