Sich für Liebe anstatt Angst zu entscheiden

“Liebe will nichts und fürchtet nichts”
Eckhart Tolle

Wir sagen normalerweise, dass Hass das Gegenteil von Liebe oder Krieg ist. Aber die Wahrheit ist, dass Angst das Gegenteil von Liebe ist. Kriege entstehen aus Angst. Man kann jemanden hassen und trotzdem lieben, aber die Liebe kann nicht freigelassen werden, wenn die Angst da ist. Es ist physiologisch und psychologisch unmöglich. Unser System wäre zu sehr mit dem Überleben beschäftigt. Mit Flucht, Kampf oder Stagnation. Unsere höheren Potentiale und spirituellen Dimensionen sind uns nicht zugänglich, wenn unser Grundbedürfnis nach dem physischen Überleben ausgelöst wird und Ausdauerstrategien umgesetzt werden müssen.

Aufgrund unserer menschlichen Konditionierung verspüren wir Überlebensängste, die für die Wahrheit unserer Situation irrational sind. Durch den Verstand und das Nervensystem projizieren wir Urreaktionen, die in alltäglichen Situationen längst verschwunden sind. Sodass unser Überlebensmodus einsetzt, wenn wir von einem geliebten Menschen oder von etwas, das wir in den Nachrichten sehen, oder von Worst-Case-Szenarien in unseren Köpfen beeinflusst werden. Dinge, die Teil des Lebens auf diesem Planeten sind, aber keine tatsächlichen Bedrohungen für das Leben in Echtzeit darstellen, und dennoch kann unser Nervensystem darauf reagieren, als wären wir in Lebensgefahr. Das ist, wenn die Liebe aufhört zu überwiegen. Dann beginnen wir, uns nach persönlichen Vorstellungen umzuschauen, und vielleicht nach denen, die uns am nächsten stehen. Dann vergessen wir, dass wir Teil einer größeren menschlichen Familie sind, die durch die gemeinsame Liebe und Fürsorge überlebt.

In Maslows Bedürfnishierarchie sehen wir, dass unsere physiologischen Bedürfnisse und unsere Sicherheitsbedürfnisse erfüllt sein müssen, bevor wir uns unserem Bedürfnis nach Zugehörigkeit oder dem Bedürfnis nach Selbstwertgefühl und unserem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und Selbstaktualisierung zuwenden können. Aber weil wir als Menschen leicht die Illusion einer tatsächlichen physischen Bedrohung mit durch psychischem Stress verbinden, tendieren wir dazu, im unteren Spektrum dessen zu funktionieren, was uns möglich ist, insbesondere in Zeiten wie diesen, in denen das Unbekannte unsere tägliche Realität ist und die wahrgenommene Bedrohung davon uns schon auf primitive Impulse reagieren lässt.

Trotzdem halte ich es für unerlässlich, sich diesen Reflexen unserer Psyche bewusst zu werden, diese Reflexe, die Bedrohungen wahrnehmen, übertreiben und aufrechterhalten, welche nicht in einem angemessenen Verhältnis zur Realität der Situation stehen. Und anzuerkennen, dass dieses Missverständnis uns daran hindert, die Liebe freizulassen, die das tiefste und heilsamste Gegenmittel gegen die Instabilität unserer Zeit sein könnte.

Mir ist klar, dass dies leichter gesagt als getan wird in einer Welt, in der wir den ganzen Tag von den Medien mit Angst gefüttert werden, in der Sicherheit den höchsten Wert hat und in der das Ego voller Angstgedanken ist. Es ist unsere Aufgabe, im Namen des Lebens, der Menschlichkeit und der Solidarität dieses Missverständnis als das anzuerkennen, was es ist: der ängstliche Verstand. Und zu erkennen, dass in jedem Moment die Wahl einfach ist: zwischen dem ängstlichen Verstand und der Liebe.

Gleichzeitig können sie nicht existieren. Und so kontraintuitiv es sich für ein Nervensystem anfühlt, das ständig in Alarmbereitschaft ist, müssen wir es aus einer größeren Perspektive betrachten, um uns klar zu werden, dass wir uns für Liebe anstatt Angst entscheiden müssen, wenn wir als gesunde Spezies überleben wollen. Jedes Mal.

Liebe ist die Pflege der Sonne, durch die die tief in der Dunkelheit des Bodens vergrabenen Samen entstehen und gedeihen können. Wir können nicht ohne sie leben. Wir müssen uns entscheiden. Wird es auf lange Sicht Angst oder Liebe sein? Und um diese Hoffnung auf lange Sicht Wirklichkeit werden zu lassen, müssen wir jetzt hier beginnen und uns für das Leben entscheiden, für das Licht unserer Herzen und nicht für die Dunkelheit unserer Gedanken. Wir müssen der Liebe Vorrang vor der Angst einräumen, indem wir uns unserer unbewussten unbeabsichtigten Tendenz bewusst werden, von Sorgen und Panik angezogen zu werden. Dieses Bewusstsein wird es uns ermöglichen zu sehen, dass genau hier, genau jetzt, diese Ängste selten real sind, Projektionen einer Zukunft, die nicht unser gegenwärtiger Zustand ist. Dann können wir uns entscheiden. Wir können uns dem Licht zuwenden. Wir dürfen den Wolf füttern, der langfristig unser Überleben und Wohlbefinden als menschliche Familie unterstützt. Wir können zu der Liebe Ja sagen, die in jedem Moment unserer Erfahrung vorherrscht. Wir müssen uns nur dafür entscheiden.

Mit LIEBE,
Kanika Frings

Mitbegründerin von DIMA Mallorca, Zentrum für bewusstes Leben
Holistic Counsellor
Enneagram Coach

www.dimamallorca.com
www.kanikafrings.com

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